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Kunst/Kunsthandwerk · Kunsthandwerkliche Sondersammlungen · Metall

Inventarnummer: K/223/2003

Abbildung

Globus · Himmelsglobus

Weigel, Erhard (1625-1699) (Astronom)
1690 (um)
Jena
Kupferblech, getrieben und gefasst
Holz, gedrechselt (Fuss mit Säule)
Holz (Meridianring)
Messingblech (Meridianring)
H 68 cm
D 35 cm

Beschreibung

Himmelsglobus, Darstellung der traditionellen Sternbilder und der damals neu eingeführten Wappensternbilder, bez.: "EW" (nördlich des springenden Pferdes)
bez.:"EW" (nördlich des springenden Pferdes)

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GOS-Nr. s0021086

Ständige Ausstellung im Alten Rathaus
1. Etage: Leipzig original

Katalogtext

Himmelsglobus

Erhard Weigel (1625-1699)

Jena, um 1690

Kupferblech, getrieben und farbig gefasst

Gestell aus gedrechseltem Holzfuß mit Säule

Meridianring aus Holz, außen mit Messingblech beschlagen

H 68 cm

D 35 cm

bez.: EW (nördlich des springenden Pferdes)

Inv.-Nr.: K/223/2003

Erhard Weigel studierte an der Universität Leipzig Mathematik und wurde im Jahre 1653 als Professor der Mathematik an die Universität Jena berufen. Dank seiner didaktischen Fähigkeiten erfreute sich Weigel eines großen Hörerkreises.

In den protestantischen Ländern bemühte er sich um die Durchführung der Kalenderreform. Seit 1585 galt der von Papst Gregor XIII. 1582 eingeführte Kalender in den katholischen Ländern. Aus Oppositionsgründen wurde dieser jedoch von den protestantischen Ländern abgelehnt. Weigel reiste öfter zu den Reichstagen nach Regensburg, um dort die evangelischen Reichsstände von den Vorteilen des neuen Kalenders zu überzeugen. Erst kurz nach seinem Tod 1699 fruchteten seine Bemühungen.

Neben Mathematik lehrte Weigel auch Astronomie. Im Januar 1661 ließ er einen außergewöhnlich großen Himmelsglobus mit einem Durchmesser von 5,4 Metern auf dem Dach des Jenaer Schlosses errichten. Dieser Globus kann als Vorläufer eines Projektions-Planetariums angesehen werden, denn man konnte das Innere der Kugel betreten und die von Weigel durch sternförmige Löcher gekennzeichneten Fixsterne leuchten sehen. Ein ähnliches Prinzip wandte er später auch bei seinen kleinen Himmelsgloben an.

In den 1680er Jahren gründete Weigel eine "Tugendschule". In diesem Zusammenhang veröffentlichte er 1688 eine kleine Schrift mit dem Titel "Der Europäische Wappen-Himmel", in der er Anstoß an den seit Ptolemäus eingeführten antiken Sternbildern nahm. Er bezeichnete sie wörtlich als: "[...] mehrentheils abscheuliche und fabulose Heyden Bilder [...]". Um die Tugenden der Jugend zu fördern, empfahl er, "Wappen-Bilder Europäischer Potentaten" an den Himmel zu setzen. Weigel verband damit vor allem die Hoffnung, dass die "hohen Potentaten und Regenten Christlicher Gemeinen" sein Werk mit Nachdruck fördern. Zu diesem Zweck fertigte Weigel nicht nur eine Karte an, sondern ließ "Heraldische Himmelsgloben" in drei Ausführungen bauen.

Die so genannte kleine Ausführung hat einen Kugeldurchmesser von 27,5 Zentimetern und ist mit Ringen, die den Himmelsäquator, die Ekliptik, die Wende- und Polarkreise, die Koluren und den Meridian zeigen, versehen. Die Sternbilder sind als erhabene Reliefs aus der Kupferkugel getrieben worden und farbig dargestellt. Einige wenige sind beschriftet. Kleine Buckel markieren die Sterne. Die Hauptsterne sind mit kleinen Löchern versehen. Zweck dieser Löcher ist es, die bedeutendsten Sternbilder seitenrichtig als Gruppen leuchtender Punkte sichtbar werden zu lassen, wenn man durch eine der vier großen Öffnungen auf der Südhalbkugel gegen das Licht blickt. Ein solches Exemplar befindet sich im Mathematisch-Physikalischen Salon Dresden.

Ähnlich verfuhr er mit der etwas größeren Ausgabe, Kugeldurchmesser etwa 35 Zentimeter. Hierzu gehört der Leipziger Globus. Die Sternauswahl erfolgte nach Johann Bayers "Uranometria" (Augsburg 1603, Ulm 1648 und 1661). Bei der Neugestaltung der Sternbilder beschränkte sich Weigel nicht nur auf die aus dem Altertum stammenden Bilder, sondern bezog auch die im 16. und 17. Jahrhundert eingeführten Konstellationen ein. Je ein neues Wappensternbild entspricht im Allgemeinen einem alten. In Einzelfällen fasste er mehrere alte zu einem neuen zusammen bzw. machte aus einem alten mehrere neue. Meist gelang es ihm, den nördlich gelegenen Ländern nördliche Sternbilder und den südlicher gelegenen auch Sternbilder der Südhalbkugel zuzuordnen. Die Zuordnung richtete sich auch nach der Größe von Ländern und Sternbildern, z. B. wurde der Orion durch den doppelköpfigen Kaiseradler ersetzt. Der hier beschriebene Globus scheint eine Übergangsform zur nächsten Größe mit doppelten Sternbildern zu sein, denn manchmal belässt Weigel das alte Sternbild unter dem neuen, z. B. schauen beim Sternbild Elefant die Beine des Großen Bären hervor.

Eine dritte größere Ausgabe mit einem Durchmesser von 35,5 Zentimeter ist für rein repräsentative Zwecke hergestellt worden. Die Kugeln bestehen in der Regel auch aus getriebenem Kupferblech, haben aber im Unterschied zu den beiden anderen Ausgaben ein Doppelrelief, d. h. sie zeigen sowohl die herkömmlichen alten Sternbilder als auch die neuen Wappensternbilder. Da die Sternpositionen nicht durchbohrt sind und somit auch keine großen Schauöffnungen benötigt werden, kann man nicht in die Kugeln hineinschauen. Ein besonders kostbares Exemplar, der einzige bekannte Globus mit einer Silberkugel, befindet sich im Museum für Astronomie und Technikgeschichte Kassel. Er ist mit einer Widmung an den hessischen Landgrafen Karl versehen. Außerdem trägt er Weigels Signatur mit der Datierung "Jena 1699".

Weigels ausgefallene Idee, die traditionellen Sternbilder durch Wappen europäischer Fürsten und bedeutender Städte sowie Stände zu ersetzen, scheiterte, denn die damals führenden Vertreter der Astronomie sahen sich nicht veranlasst, die seit Jahrhunderten geltenden Sternbilder zu ersetzen. Bis heute sind die 48 Sternbilder des Ptolemäus in der offiziellen Sternenliste der Astronomischen Union verzeichnet.

KONSTELLATION

Im Folgenden sind die Entsprechungen der Wappensternbilder erklärt, wobei zuerst das traditionelle Sternbild, danach das Wappen und abschließend das Land bzw. der Stand genannt wird:

Nordhimmel

Kleiner Bär ? Steigbügel: Kurland

Drache und Kleiner Bär ? Lindwurm: Russland

Großer Bär ? Elefant: Dänemark (beim Elefanten schauen die Beine des Großen Bären hervor)

Kepheus ? Hellebarde: Holstein

Bärenhüter und Nördliche Krone ? Drei Kronen und Ring: Schweden

Schlangenträger ? Schwarzes Kreuz: Erzbistum Köln

Schlange ? Rad: Erzbistum Mainz

Herkules ? Ritter mit erhobenem Schwert: Litauen

Leier ? Harfe: Irland

Schwan ? Rautenkranz: Herzogtum Sachsen, Gekreuzte Schwerter: Kurfürstentum Sachsen

Adler mit Antinous und Delphin ? Zeptertragender Adler: Brandenburg

Pegasus ? Springendes Pferd: Braunschweig und Lüneburg

Haar der Berenike ? Gekreuzte Arme: Anhalt

Kleines Pferd ? Krone mit Büffelhörnern: Hessen

Cassiopeia ? Füllhorn: Pfalz

Perseus ? Reichsapfel: Bayern

Andromeda ? Schatztruhe: Rheinpfalz

Fuhrmann und Giraffe ? Drei Lilien: Frankreich (Giraffe blieb zusätzlich erhalten)

Nördliches Dreieck ? Zirkel und Schulgerät: Künstler und Schulen

Tierkreis:

Widder ? Lamm mit Fahne: Kirche

Stier ? Rechentafel: Kaufmannsstand

Zwillinge ? Wappenmantel: Lothringen

Krebs ? Krippe: Bauernstand

Löwe ? Drei Kastelle und das Goldene Vlies: Spanien

Jungfrau ? Sieben Türme: Portugal

Waage ? Mitra, Schwert und Krummstab: Erzbischöfe und Bischöfe (Waage blieb zusätzlich erhalten)

Skorpion ? Kardinalshut: Kardinäle

Schütze ? Kreuz: Erzbistum Trier

Steinbock ? Zwei Posthörner: Nassau

Wassermann und Fische ? Löwe mit sieben Pfeilen: Vereinigte Niederlande

Fische ? Fisch: Württemberg

Südhimmel:

Walfisch ? Tiara und gekreuzte Schlüssel: Papst

Walfisch ? Kreuz: Deutscher Orden

Orion mit Taurus und Gemini ? Doppelköpfiger Adler: Römisches Reich deutscher Nation

Großer Hund mit Kleinem Hund (Procyon) ? Zepter des Adlers: Dalmatien und Slawonien

Taube ? Doppelkreuz: Ungarn

Wasserschlange ? Hut mit Gewehr und Hellebarde: Schweiz, Modena, Mantua und Parma

Wasserschlange ? Markuslöwe: Venedig

Wasserschlange ? Kreuz mit gespaltenen Armen: Malta

Rabe ? Kreuz mit kurzen Armen: Genua

Becher ? Sechs Kugeln: Florenz

Jungfrau ? Geflügelter Löwenkopf: Savoyen

Südliches Dreieck ? Stierkopf: Mecklenburg

Paradiesvogel ? Hundskopf: Öttingen

Inder ? Gehörnte Krone: Baden

Chamäleon ? Sieben Hügel: Siebenbürgen

Phönix ? Diadem: Fürstenstand

Zentaur ? Krone: Grafenstand

Tukan ? Hirschgeweih: Schwarzburg

Kranich ? Kranich: Reuß (blieb mit anderer Bedeutung erhalten)

Pfau ? Krone: Freiherrnstand

Im Fluss Eridanus ? Sieben Städtewappen folgender Reichsstädte: halber Reichsadler mit geteiltem Schild: Nürnberg; drei Kronen: Köln; roter Adler: Frankfurt; Pinienzapfen: Augsburg; gekreuzte Schlüssel: Regensburg; drei Türme, Speyer; horizontal geteiltes Schild: Ulm oder Lübeck? (Zuordnung nicht möglich da die Farbe fehlt)

Schiff Argo ? Mondsichel: Türkei (Schiff Argo blieb als Sternbild erhalten)

Goldfisch und Südliche Wasserschlange ? Eule: Tartarei

Galaxias ? Punkte: Adelsstand.

Himmelskreise

Ekliptik, nördlicher und südlicher Parallelkreis zur Ekliptik im Abstand von 23 ½ Grad (bezeichnet die Abweichung des Himmelsäquators im Jahresverlauf zur Ebene der Ekliptik), kleiner Parallelkreis im Abstand von 23 ½ Grad zum vorgenannten Kreis beschreibt die Bahn des Himmelspols während eines Umlaufs des Frühlingspunktes in der Ekliptik. Drehachse verläuft durch die Ekliptikpole. Nur auf dem Ekliptikring ist eine Gradteilung aufgetragen worden, die aber nicht beziffert wurde.

Dipl.-Ing. Wolfram Dolz, Physikalischer Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Oberkonservator, Sammlung Erd- und

Himmelsgloben sowie Vermessungsinstrumente

Lit.: Weigel 1688; Horn 1959; Horn 1976, S. 51-56; Dolz 1994, S. 94/95.

Ausstellungsthema

Kulturelle Blüte im 18. Jahrhundert
Wissenschaft und Aufklärung

>> Weitere Objekte

Darstellung

Sternbild / Wappen

Erwähnung / Bezug

Weigel, Erhard (Erwähnte Person)

Leihanfragen

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