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Kunst/Kunsthandwerk · Gemälde

Inventarnummer: K/491/2002

Abbildung

Ölfarbentapete

Tapete aus Kochs Hof

Landschaftszimmer

Calau, Benjamin (1724-1785) (Maler)
1749
Öl auf Leinwand
Leinwand
Supraporte 163 x 96 cm
264,5 x 169 cm
264,5 x 198 cm
264,5 x 484 cm
264,5 x 198 cm
264,5 x 193 cm
264,5 x 40 cm
264,5 x 76 cm
264,5 x 82 cm

Beschreibung

Die Malereien sind so angelegt, dass jede Tür von einer gemalten Brunnenarchitektur mit kraftvoll bewegten Skulpturen umrahmt, der Kamin von einem gemalten Kaminaufbau bekrönt wurde. Zwischen diesen gemalten Brunnen geben Veduten den Blick frei in perspektivisch angelegte Stadt-, Park- und Kanallandschaften mit höfisch galanten Szenen vor klassischen Architekturen. Dort flanieren Paare, Gruppen sammeln sich zu Kahnpartien, jugendliche Höflinge spielen Fangen, eine Dame droht ihren Galan, der auf dem Rand eines Bassins eingeschlafen ist, am Fuß ins Wasser zu ziehen. Im Gegensatz zu diesen Bildern des Müßiggangs bietet die Vedute rechts der Eingangstür einen Blick aufs offene Meer und symbolisiert mit den in der Ferne liegenden Schiffen und den diskutierenden Männern im Vordergrund die Welt des Handels und der Arbeit.
Die gemalten Brunnen wie auch die Kamineinfassung bestehen aus übereinandergetürmten mythologischen Figuren vor Felsen und Grotten. Sie werden jeweils bekrönt von reichverzierten Muschel- und Rocaille-Ornamenten mit Putten.
gehört ein als Einzelstück im Vorraum ausgestelltes Fragment. Dort sind Putten mit Früchten und Wein zu sehen.
Die gemalten Brunnen wie auch die Kamineinfassung bestehen aus übereinandergetürmten mythologischen Figuren vor Felsen und Grotten. Sie werden jeweils bekrönt von reichverzierten Muschel- und Rocaille-Ornamenten mit Putten.
gehört ein als Einzelstück im Vorraum ausgestelltes Fragment. Dort sind Putten mit Früchten und Wein zu sehen.

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GOS-Nr. gm001867

Ständige Ausstellung im Alten Rathaus
1. Etage: Leipzig original

Katalogtext

Tapete aus Kochs Hof

Benjamin Calau (1724-1785)

1749

Öl auf Leinwand

9 Teile à 264,5 x 169 cm; 264,5 x 198 cm; 264,5 x 484 cm; 264,5 x 198 cm; 264,5 x 193 cm; 264,5 x 40 cm; 264,5 x 76 cm; 264,5 x 82 cm; Supraporte 163 x 96 cm

Inv.-Nr.: K/491/2002

Die Wandbespannung aus Kochs Hof, einem im Zweiten Weltkrieg zerstörten barocken Handelshaus am Markt, gehört in zweifacher Hinsicht zu den herausragenden Schätzen des Stadtgeschichtlichen Museums. Zum einen haben sich solche im 18. Jahrhundert nachweislich weitverbreiteten barocken Innenraumdekorationen generell nur selten erhalten, zum anderen handelt es sich im Vergleich zu weiteren erhaltenen Beispielen um ein Exemplar von besonderer künstlerischer Qualität.

Die Wandbespannung war bereits kurz nach 1900 aus Kochs Hof entfernt worden. Bis zum Zweiten Weltkrieg im Alten Rathaus ausgestellt, geriet sie danach jedoch in Vergessenheit und wurde durch schlechte Lagerung stark beschädigt. Erst nach 1990 wurden sie "wiederentdeckt", mit Unterstützung der Denkmalpflege restauriert und ausgestellt, wobei die heutige Aufstellung den ursprünglichen Raumeindruck in Kochs Hof, der anhand von Fotos aus der Zeit um 1900 rekonstruiert werden konnte, zumindest andeutungsweise nachempfindet.

Kochs Hof war in den Jahren 1735-39 durch den Architekten George Werner als einer der prächtigsten Kaufmannshöfe Leipzigs errichtet worden, der Markt und Reichsstraße über zwei Innenhöfe verband. Der Bau kostete damals die enorme Summe von 133 000 Talern (zum Vergleich: Bachs Verdienst in seiner Zeit als Thomaskantor betrug pro Jahr rund 700 Taler).

Nach dem Tod des Bauherrn Michael Koch 1741 erbte seine Schwester das Haus. Sie war die Ehefrau des 1717 in den Adelsstand und zum Edlen von Hohenthal erhobenen Leipziger Kaufmanns Peter Hohmann. Außer seinen Leipziger Häusern besaß er sechs Rittergüter. Seine Kinder wurden Freiherren von Hohenthal, die Familie erhielt später auch den Grafentitel.

1749 gehörte das Gebäude dem ältesten Sohn Peter Hohmann Edler von Hohenthal, der den Titel eines polnisch-sächsischen Geheimen Kriegsrats trug. Auf ihn geht wahrscheinlich die Ausschmückung des Gesellschaftsraums mit der Wandbespannung zurück. Die Familie manifestierte Reichtum, künstlerischen Anspruch und sozialen Aufstieg mit der Innenausstattung ihres Hauses, die der von Schlössern und Residenzen in nichts nachstand.

Der Maler der Wandbespannung konnte nur aufgrund eines archivalischen Hinweises ermittelt werden: Im Jahr 1749 beschwerte sich die Leipziger Maler-Innung beim Rat der Stadt, dass der Porträtmaler Benjamin Calau in "Kochs Hause Ölfarben-Tapeten gemahlt habe" (Stadtarchiv Leipzig: Malerinnung. M 669, fol. 185 ff.). Die Innung betrachtete das Herstellen von Tapeten als ihr angestammtes Privileg.

Calau war um diese Zeit noch nicht in Leipzig ansässig, er ist hier erst ab 1752 nachgewiesen. Danach wurde er auch Innungsmitglied und 1766 sogar Oberältester

der Innung. Zugleich trug er den Titel eines sächsischen Hofmalers.

Die Rekonstruktion anhand alter Innenraumfotos ergab, dass die Wandbespannungen für einen Raum mit drei Türen und einem Kamin konzipiert worden waren. Die Malereien sind so angelegt, dass jede Tür von einer gemalten Brunnenarchitektur nach italienischen Vorbildern des 17. Jahrhunderts mit kraftvoll bewegten Skulpturen umrahmt, der Kamin von einem gemalten Kaminaufbau bekrönt wurde (vgl. Fotos). Heute ist nur eine der Türumrahmungen und die Kaminbekrönung komplett, eine zweite Türumrahmung beinahe vollständig, die dritte nur noch fragmentarisch vorhanden.

Zwischen diesen gemalten Brunnen geben Veduten den Blick frei in perspektivisch angelegte Stadt-, Park- und Kanallandschaften mit höfisch galanten Szenen vor klassischen Architekturen. Dort flanieren Paare, Gruppen sammeln sich zu Kahnpartien, jugendliche Höflinge spielen Fangen, eine Dame droht ihren Galan, der auf dem Rand eines Bassins eingeschlafen ist, am Fuß ins Wasser zu ziehen. Im Gegensatz zu diesen Bildern des Müßiggangs bietet die Vedute rechts der Eingangstür einen Blick aufs offene Meer und symbolisiert mit den in der Ferne

liegenden Schiffen und den diskutierenden Männern im Vordergrund die Welt des Handels und der Arbeit.

Die gemalten Brunnen wie auch die Kamineinfassung bestehen aus übereinandergetürmten mythologischen Figuren vor Felsen und Grotten. Sie werden

jeweils bekrönt von reichverzierten Muschel- und Rocaille-Ornamenten mit Putten. Die mythologischen Figuren sowie die Putten symbolisieren die vier Elemente:

Eindeutig ist das z. B. bei der Türeinrahmung um die heutige Eingangstür, die mit Poseidon mit dem Dreizack und Tritonen das Element des Wassers darstellt. Die

Putten oben verweisen auf den Segen des Wassers, der eine trägt ein Netz mit Fischen, ein anderer weist auf Weinlaub und Früchte.

Die Einfassung des Kamins stellt das Element des Feuers dar: Rechts und links sind Gottheiten der Unterwelt versammelt, Werkzeuge des Schmieds liegen am Boden, die Putten oben hantieren mit Kanonenkugeln und Lunten.

Nicht ganz so leicht fällt die Deutung bei den leider nicht mehr vollständig erhaltenen Türumrahmungen: Zu dem der Eingangstür gegenüberliegenden Wandabschnitt

gehört ein als Einzelstück im Vorraum ausgestelltes Fragment. Dort sind Putten mit Früchten und Wein zu sehen, dazu gehören innen der auffällig rote Paradiesvogel

und viele Blumen. Hier ist wohl das Element der (fruchtbaren) Erde gemeint, während die dritte Türumrahmung, deren Fragmente in der Raumecke hinten links zusammenstoßen, mit ihren (verlorenen) Vogeldarstellungen und dem sich im Wind biegenden Baum das Element der Luft darstellte.

Diese Allegorien auf die vier Elemente zeugen von der klassischen Bildung der Eigentümer, die sie ihren Gästen unter Beweis stellen wollten. Auch die beiden schmalen Bildfelder der Wandbespannung zwischen den Fenstern zeigen das sehr deutlich: Das eine wird bekrönt von einem Putto, der ein typisches Stillleben präsentiert mit Früchten, Blüten und Perlen. Bei solchen Stillleben konnten die Maler ihre Kunstfertigkeit besonders durch die täuschende Wiedergabe der verschiedenen Oberflächen wie der samtenen Haut der Pfirsiche oder dem matten Glanz der Perlen demostrieren. Ein anderer Putto bläst Seifenblasen. Dieser ist als Gegensatz zum Glanz der irdischen Dinge zu verstehen - die schnell zerplatzende Seifenblase ist ein altes Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Ulrike Dura, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Lit: Schmidt, Georg: Die Familie der Grafen von Hohenthal, Halle a. d. S. 1896; Schulze 1922, S. 56; Wien 1989, S. 348; Hocquél-Schneider, Sabine: Bildtapeten aus Kochs Hof, in: Leipziger Blätter 18, 1991, S. 46-50; dies.: Gemalte Leinwandbespannungen des 18. Jahrhunderts in Leipzig, in: Denkmalpflege in Sachsen, Dresden 1996, S. 72-78.

English

Part of the baroque wall covering from Kochs Hof.

Ausstellungsthema

Architektur und Gärten im 18.Jahrhundert
Stadt und Architektur

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Ausstellungsthema

Ein Innenraum des Barock

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Erwähnung / Bezug

Hohenthal, von (Familie, Auftraggeber) (Erwähnte Person)
Kochs Hof (Erwähnter Ort)

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