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Kunst/Kunsthandwerk · Gemälde

Inventarnummer: Kirchliche Kunst Nr. 9

Abbildung

Gemälde · Epitaph

Meister der Byzantinischen Madonna (namentlich unbekannter Künstler, der nach diesem Hauptwerk seinen "Notnamen" erhielt) (tätig um 1510/20) (Maler)
1510/1520
Nikolaikirche (Fundort)
Temperafarben auf Holz
122,7 x 104,5 cm

Beschreibung

so genannte "Byzantinische Madonna": Maria im blauen Gewand mit dem Jesuskind auf dem Arm. Begleitet vom Hl. Matthias und der Hl. Barbara, Wappen der Familie Wilde, Geistlicher mit Tonsur und Messgewand, goldener Grund, gemustert
Das Gemälde stammt vom Denkmal des Nikolaus Wilde.
Maria ist nach byzantinischem Vorbild als Nikopoia(=die Siegbringende) dargestellt. Vor ihr kniet ein Mitglied des alten sächsischen Adelsgeschlechts der Familie Wilde, ausgewiesen durch ihr Wappen.

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GOS-Nr. gm001534

Ständige Ausstellung im Alten Rathaus
1. Etage: Leipzig original

Katalogtext

Maria mit dem Kind, dem heiligen Matthias und der heiligen Barbara, so genannte Byzantinische Madonna

Meister der Byzantinischen Madonna (tätig um 1510/20)

um 1510/20

ölhaltige Temperafarben auf Laubholz

122,7 x 104,5 cm

Inv.-Nr.: Kirchliche Kunst Nr. 9

Die Marienfigur mit dem Kind erinnert in Typus, Kleidung und Gestik stark an eine Ikone der orthodoxen Kirche. Tatsächlich ist sie einem Marienbild aus der Kirche Santa Maria del Popolo in Rom aus dem 13. Jahrhundert nachempfunden. Dieses römische Gnadenbild wurde als Nachahmung einer byzantinischen Ikone aus dem Heiligen Land verehrt. 1478 bestätigte Papst Sixtus IV. das Bild von Santa Maria del Popolo als authentisches "Lukasbild" und verband seine Verehrung mit einem Ablass. Der Legende zufolge schuf der Evangelist Lukas das echte Porträt der Maria , das in die Hodegeonkirche in Konstantinopel gelangte, aber leider verloren ging. Alle Nachahmungen dieses "Urbildes" werden daher als "Hodegetria" bezeichnet. Marienbilder dieses Typs waren für die Gläubigen des Mittelalters problemlos zu erkennen und erhielten die gleiche Bedeutung wie das Urbild.1 Das gilt auch für die vorliegende Variante, obwohl hier aus der ursprünglich halbfigurigen Madonna eine Ganzfigur mit zusätzlichen Bedeutungsebenen wurde: Durch Strahlenkranz und Mondsichel ist Maria zugleich als apokalyptische Madonna dargestellt, Bezwingerin des Teufels und Vorbotin des Jüngsten Gerichts.2

Das Epitaph gilt einem Mitglied des alten sächsischen Adelsgeschlechts der Familie Wilde, ausgewiesen durch das Wappen. Jedoch ist nicht ohne Weiteres festzustellen, welches Familienmitglied gemeint ist. Eindeutig ist nur, dass es sich um einen Geistlichen mit Tonsur und Messgewand handelt. Johannes Wilde, zwischen 1483 und 1503 mehrmals Leipziger Bürgermeister und Vizekanzler der Universität, hatte mehrere Söhne im geistlichen Stand, von denen einer, Basilius, nachweislich öfter nach Italien reiste, von wo er die Anregung zu diesem anspruchsvollen Madonnengemälde mitgebracht haben könnte.3

Die Darstellung mit ihrer vielschichtigen Symbolik steht im Einklang mit der Todesthematik eines Epitaphs, in erster Linie wegen der Sündenvergebung, die das römische Gnadenbild erhoffen lässt. Maria als Bezwingerin des Teufels verweist zudem auf das Jüngste Gericht. Die heilige Barbara galt als Schutzpatronin vor einem plötzlichen Tod ohne Erhalt der Sterbesakramente. Darauf verweisen ihre Attribute Kelch und Hostie. DerApostel Matthias, der links neben Maria steht, könnte ein persönlicher Schutzheiliger des dargestellten Verstorbenen sein.

Der Meister der Byzantinischen Madonna erhielt seinen Künstler-Notnamen durch dieses Bild, das als sein Hauptwerk gilt. Zu seinem Werk rechnet die Forschung einige weitere Gemälde, u. a. eines im Merseburger Dom, aufgrund von stilistischen Übereinstimmungen. Sein Stil ist fränkisch beeinflusst, u. a. sind Ähnlichkeiten mit der Kunst Martin Schongauers festgestellt worden.4

Ulrike Dura, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

1 Ritschel 2002, S. 180.

2 Das so genannte Apokalyptische Weib wurde im Mittelalter als Maria gedeutet, die den Teufel besiegt: Im Buch Apokalypse, Kap. 12, Vers 1-18, erscheint eine Frau am Himmel, mit der Sonne bekleidet und den Mond unter den Füßen, die einen Sohn gebiert und von einem Drachen bedroht wird.

3 Ritschel 2002, S. 175.

4 Ebenda, S. 181-183.

Lit.: Gurlitt 1895/96, S. 21 f.; Kunstschätze aus Sachsen 1991, S. 249 f.; Sakralbauten I 1995, S. 449 f.; Vergessene altdeutsche Gemälde1997, S. 44-47; Ritschel 2002, S. 166-184.

Ausstellungsthema

Kirchliche Kunst

>> Weitere Objekte

Erwähnung / Bezug

Barbara (Heilige) (Abgebildete Person)
Maria mit Kind (Abgebildete Person)
Matthias (Heilige) (Abgebildete Person)

Leihanfragen

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