Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Autographenbestand

Objektdatenbank

DFG Logo

Inhaltliche Erschließung und Digitalisierung des Autographenbestandes


Autographenbestand “Theater”:

Karl Theodor von Küstner leitet seine Publikation "Ein Beitrag zur Geschichte des Leipziger Theaters, nebst allgemeinen Bemerkungen über die Bühnenleitung in artistischer, wie finanzieller Hinsicht" (erschienen bei F. A. Brockhaus, Leipzig, 1830) folgendermaßen ein:

"Das 1817 neubegründete Leipziger Stadttheater erregte, nach allen über dasselbe gegebenen Nachrichten, in einem hohen Grade das Interesse der Leipziger sowie der ganzen deutschen Kunstwelt. Mit demselben ließ der gründliche Kunstkenner Blümner in seiner 'Geschichte des Leipziger Theaters' eine neue Epoche beginnen." (S. XI)

Gezielt richtet er seine Veröffentlichung an seine Mitbürger, was von einem starken Interesse derer an der kulturellen Entwicklung ihrer Theater zeugt. Vor dem Neubau des Theaters war es einer Theatergesellschaft unter Franz Seconda vorbehalten abwechselnd in Dresden und Leipzig aufzutreten. So konnte wenig Abwechslung zwischen Schauspiel und Oper geboten werden und während der Wintermonate, welche die Gesellschaft in Dresden zubrachte, gab es in Leipzig keine Aufführungen oder Gastspiele fahrender Theatergruppen. Nachdem 1815 das Privileg der Secondaschen Gesellschaft aufgehoben wurde, konnte mit Unterstützung des Magistrats und der Vorlage einer Unterschriftenliste an den König 1817 ein stehendes Theater in Leipzig errichtet werden. In ihm sollten sich Oper und rezitierendes Schauspiel vereinen. Die Leitung und Intendanz wurden dem Hofrat Küstner selbst übertragen, welcher sie bis 1828 ausübte, wobei ihm eine beratende Gruppe zur Seite stand, der u. a. der Oberhofgerichtsrat Heinrich Blümner als Deputierter des Magistrats angehörte. Ein baufälliges und architektonisch unzureichendes 50 Jahre altes Theatergebäude wurde 1816 vom Theaterverein angemietet und in der folgenden Zeit umgebaut. Es bot Platz für 1.350 Zuschauer und hatte den Abriss der sich anschließenden Rannischen Bastei zur Folge. Doch bereits 1864 begann aus Platzmangel für das stetig wachsende Publikum der Bau eines Neuen Theaters am Augustusplatz, welches am 28. Januar 1868 unter Theodor Wittes Leitung feierlich mit Goethes "Iphigenie auf Tauris" eröffnet wurde. Das Neue Theater bildete mit seinen 1.700 Sitz- und 300 Stehplätzen den idealen Rahmen für die Aufführung großer Opern, erwies sich jedoch für Theateraufführungen als weniger geeignet. Während das Alte Theater bevorzugter Aufführungsort für das Schauspiel blieb, avancierte das Neue Theater zur Leipziger Oper. Große Namen wie Heinrich Marschner, Albert Lortzing, Georg Philipp Telemann, Gustav Mahler und Arthur Nikisch haben die Geschichte der Leipziger Oper mitgeprägt.

Diese spannende Geschichte der Leipziger Theater ist nun durch das Erschließen und Digitalisieren wichtiger Bestände nachvollziehbar gemacht worden.

Die Erfassung von 63 Briefen Karl Theodor von Küstners ist dabei besonders hervorzuheben. Aus ihnen geht die Entstehung des Leipziger Stadttheaters hervor, welches er zum Teil auf eigene Rechnung 1817 mit Unterstützung durch Heinrich Blümner gründete. Der die Jahre 1816-1865 umfassende Bestand setzt sich vor allem aus 25 Briefen an Carl Winkler (Pseudonym Theodor Hell) über die Zusammenarbeit der Leipziger und Dresdner Bühnen sowie Korrespondenz an Bühnenschriftsteller wie Roderich Benedix, den Dutzfreund Küstners Moritz Kind, Ludwig Tieck und damals bekannte Schauspieler zusammen. Aus den Schriftstücken lassen sich die Schwierigkeiten der Theaterbranche ableiten, Informationen über renommierte Theateranstalten und Künstler extrahieren und die persönlichen Ansichten von Küstners nachvollziehen. Die zugehörigen 159 Digitalisate stehen damit der Forschung zur Verfügung.

Auch der Bestand um den oben erwähnten Heinrich Blümner konnte im Rahmen des DFG-Projekts erschlossen werden. Dieser war Doktor der Philosophie und der Rechte, Erbherr auf Frohburg mit Eschfeld, Großzschocher und Windorf, Königlich Sächsischer Oberhofgerichtsrat, Ritter des Königlich Sächsischen Zivilordens, Mitglied des Staatsgerichtshofes, Stellvertreter des vorsitzenden Standes des Leipziger Kreises und vieler gelehrter Gesellschaften. Allein die Aufzählung seiner Tätigkeiten vermittelt einen Eindruck von der gesellschaftlichen Stellung Blümners in Leipzig aber auch als Landtagsabgeordneter in Dresden. Besonders aus seinem Schriftwechsel mit Carl August Böttiger gehen viele Informationen zum politischen Zeitgeschehen hervor. Ergänzend durch Blümners Tätigkeit als Redakteur der Leipziger Literaturzeitung, Mitbegründer des Leipziger Stadttheaters in Zusammenarbeit mit Karl Theodor von Küstner und seine eigenen schriftstellerischen Werke sowie die Korrespondenz mit Rezensenten und Schriftstellern ergibt sich auch ein umfangreiches Bild der kulturellen Landschaft Leipzigs und Dresdens. Zudem stand Blümner in regem Kontakt zu den Dozenten und Professoren der Leipziger Universität, an welcher er selbst studiert hatte und Vorlesungen hielt. Zu nennen wären hier Christian Daniel Beck, Carl Adolf Caesar, Johann August Otto Gehler sowie Gelehrte und Juristen wie Christian Daniel Erhard, Karl August Tittmann, Amandus Gottfried Adolf Müllner, Friedrich August Carus, Karl Winkler (Pseudonym: Theodor Hell) und Siegfried August Mahlmann. Neben Briefen sind in diesem Nachlass auch Konzepte, Kritiken, Quellenmaterial zu wissenschaftlichen Arbeiten und Vorlesungsschriften enthalten. Teilweise wurden diese der Epoche und dem wissenschaftlichen Gebiet entsprechend in lateinischer Sprache verfasst mit einer Vielzahl griechischer Textstellen. Da die Laufzeit sich von 1779 bis 1838 erstreckt, sind ebenfalls Informationen über die Besetzung Leipzigs durch Napoleon und die Bemühungen der Leipziger Abgeordneten in Dresden während dieser Zeit enthalten. Insgesamt ist der Nachlass von 406 Schriftstücken nun in 3404 Digitalisaten online verfügbar.

Ein zu seinen Lebzeiten hochgeschätzter Schauspieler und Theaterdirektor war Friedrich Haase. Er war u. a. Träger des Iffland-Ringes, welchen er von seinem engen Freund Theodor Döring erhielt. Von dieser Freundschaft aber auch den geschäftlichen Pflichten Haases zeugt seine Korrespondenz an seinen Kollegen und Freund Ferdinand von Strantz, mit dem er in Leipzig von 1870-1876 das Stadttheater leitete (heute Oper und Gewandhaus). Haases Briefe werden ergänzt durch 35 Briefe seiner Ehefrau Elise Haase und 9 Briefe seiner Geliebten Anna Preuß. Hinzu kommen 8 Rollenbilder Haases und zwei Gerichtsakten seiner Anwälte über Gastspielstreitigkeiten mit Rudolf Cerf und Franz Kullack. Insgesamt sind so 282 Autographe (Laufzeit: 1857-1877) über 1.161 Digitalisate einsehbar.

Im Jahre 2011 hätte Roderich Benedix, Namensgeber der gleichnamigen Straße im Leipziger Stadtteil Gohlis, seinen 200. Geburtstag gefeiert. Das Stadtgeschichtliche Museum hat mit dessen Nachlass in einem Umfang von 494 Schriftstücken bzw. 1.814 Digitalisaten mit einer Laufzeit von 1817-1873 eine unersetzliche Quelle für Recherchen zum Privatleben Benedix' und seiner literarischen Tätigkeiten. Als Lustspieldichter war er in seiner Epoche sehr hoch angesehen und verkehrte brieflich mit Theaterdirektoren, Schriftstellern und Schauspielern in ganz Deutschland, darunter Heinrich Laube, Franz Dingelstedt, Eduard Devrient, Wilhelmine Frieb-Blumauer, Marie Seebach, Fanny Janauscheck oder Gustav zu Putlitz. Dadurch lassen sich Schlussfolgerungen über seinen Status als Künstler aber auch als Lehrer der Rhetorik für angehende Schauspieler ziehen sowie über die geschäftlichen Abläufe in der Theaterbranche bei dem Vertrieb eigener Stücke. Besonders hervorzuheben sind jedoch die privaten und sehr emotionalen Briefe an und von seinen zwei Ehefrauen Louise Benedix und Leontine Benedix sowie mit seinen Eltern, Geschwistern und dem Schwiegervater Julius Paulmann, denen er vor allem während seiner häufigen Reisen schrieb. Hinzu kommt eine kleine Zahl autobiografischer Dokumente wie Rückblicke, Tagebücher und Lebenserinnerungen sowie Schulzeugnisse.

Abgerundet wird der bisher erschlossene Theaterbestand durch die Aufnahme von etwa 180 Autographen des Bestandes zu Franz Emil Willmann. Da bisher nur wenig über Herrn Willmann bekannt ist, scheint es um so wichtiger, dass im Rahmen des Projektes nun 523 Digitalisate zu den Schriftstücken vorliegen. Bei seinen Korrespondenzpartnern handelt es sich vor allem um Schauspieler, Sänger, Tänzer, Theaterdirektoren und Intendanten, Schriftsteller und Maler. Besonders hervorzuheben sind die ausgiebigen Briefe an ihn von Johann Guter und Marija Leiko sowie Hilde und Kurt Stieler oder Margreth Thumann. Der Bestand umfasst eine Laufzeit von 1910-1918 und gibt Aufschluss über die Aufenthaltsorte von Willmann sowie dessen damalige berufliche Situation. So war er etwa Redakteur des Fritz Eckhardt Verlags in Leipzig, der Leipziger Neuesten Nachrichten sowie von 1916-1918 Leutnant der Reserve im 12. Armeekorps.

Aktueller Stand der Erschließung

Insgesamt können seit August 2012 mehr als 1.400 Autographe zum Themengebiet "Theater" über die Homepage des Stadtgeschichtlichen Museums eingesehen werden. Neben der umfangreichen Recherche in der Online-Datenbank hat der Nutzer ebenso die Möglichkeit, alle Dokumente am Bildschirm zu betrachten, darin zu blättern und sich Details zu vergrößern.

Hier finden Sie eine Liste der aktuell recherchierbaren Autographe aus dem Bestand "Theater".

 

© 2017 Stadtgeschichtliches Museum Leipzig Datenbank-Programmierung: Zuse-Institut Berlin

Creative Commons License