Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Autographenbestand

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Inhaltliche Erschließung und Digitalisierung des Autographenbestandes


Autographenbestand “Stammbücher”

Stammbücher als frühe Formen des Poesiealbums setzten sich während der Reformation durch, als es in Mode kam, Autographe berühmter Reformatoren zu sammeln. Sie waren im 18. und 19. Jahrhundert vor allem bei Studenten sehr beliebt als Erinnerung an Kommilitonen, Freunde. Zudem diente das Sammeln von Autographen von Lehrern und Professoren als eine Art Empfehlungsschreiben für eine neue Universität. Der bisher erschlossene Teilbestand zeichnet sich vor allem durch Vielfältigkeit aus. Besonders interessant sind kolorierte Federzeichnungen, Beigaben wie Haarlocken und Trockenblumen, Stickereien sowie Scherenschnitte zur individuellen Gestaltung der Eintragungen. Aufgrund teilweiser mangelnder Begabung der Studierenden bildete sich im 18. Jahrhundert eine regelrechte Industrie für vorgefertigte Grafiken, die als Stammbuchblätter angeboten, individuell beschriftet und eingeheftet wurden. Vor allem Szenen aus dem studentischen Leben waren sehr beliebt.

Stammbücher sind für die Geschichte von Studenten und Universitäten oft eine unschätzbare Quelle. Zunächst lässt sich mit ihrer Hilfe nachweisen, wer wann wo studierte. Außerdem trug mancher Stammbuchbesitzer weitere Lebensdaten seiner ehemaligen Freunde ein, wodurch man eine Vielzahl zumindest grober Lebensläufe von weniger bekannten Gelehrten besitzt. Auch prosopographische, kultur- und kommunikationsgeschichtlich interessante Fragestellungen können mit Hilfe von Stammbüchern beantwortet werden. Die zitierten Dichter in den Stammbüchern geben Hinweise auf literarische Moden unter Studenten, die herausgestellten Tugenden sind eine wichtige Quelle für die Mentalitätsgeschichte.

Da Stammbücher nur in privaten Zirkeln kursierten und damit nicht der Zensur unterworfen waren, kann man dort auch recht freimütige politische Äußerungen nachlesen. Deshalb sind Stammbücher auch eine wichtige politische Quelle und für Fragen der Zeitströmung von großer Bedeutung. Aus diesem Grund wurden über 60 Stammbücher mit 3.400 Einzeleinträgen innerhalb des dritten Projektjahres bearbeitet. Die Universität Erlangen und ihr Projekt "RAA - Repertorium Alborum Amicorum" wurden bereits 2010 anlässlich der Bearbeitung der Musiker-Stammbücher als Kooperationspartner gewonnen. Das Museum kommt nun einer gewünschten weiteren Zusammenarbeit auf diesem Gebiet gerne nach, um die insgesamt 200 Stück umfassende Stammbuchsammlung auf lange Sicht publik zu machen.

Aktueller Stand der Erschließung

Von den mehr als 60 erschlossenen Stammbüchern liegen 32 Stück vollständig gescannt in 2.033 Digitalisaten vor. Diese können über die Homepage des Stadtgeschichtlichen Museums eingesehen werden. Neben der umfangreichen Recherche in der Online-Datenbank hat der Nutzer ebenso die Möglichkeit, alle Dokumente am Bildschirm zu betrachten, darin zu blättern und sich Details zu vergrößern.

Hier finden Sie eine Liste der aktuell recherchierbaren Autographe aus dem Bestand "Stammbücher".

 

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