Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Autographenbestand

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Inhaltliche Erschließung und Digitalisierung des Autographenbestandes


Autographenbestand “Musik”:

Der Stadt Leipzig eilt ein weltweiter Ruf als Musik- und Theaterstadt voraus. Im Zuge der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung rasch an und es bildete sich ein kulturell interessiertes Bürgertum heraus. Das Interesse der Leipziger an Schauspiel und Oper war so groß, dass der alte Theaterbau an der Rannischen Bastei bald nicht mehr genügend Platz bot. 1864 begann der Bau des Neuen Theaters am Augustusplatz und bereits am 28. Januar 1868 wurde das großzügig angelegte Haus feierlich mit Goethes “Iphigenie auf Tauris” eröffnet. Das Neue Theater bildete mit seinen 1.700 Sitz- und 300 Stehplätzen den idealen Rahmen für die Aufführung großer Opern, erwies sich jedoch für Theateraufführungen als weniger geeignet. Während das Alte Theater bevorzugter Aufführungsort für das Schauspiel blieb, avancierte das Neue Theater zur Leipziger Oper. Große Namen wie Heinrich Marschner, Albert Lortzing, Georg Philipp Telemann, Gustav Mahler und Arthur Nikisch haben die Geschichte der Leipziger Oper mitgeprägt.

Neben der Oper begeisterten sich die Leipziger und ihre Gäste auch seit jeher für Konzerte. Bereits 1743 gründeten Leipziger Kaufleute den Konzertverein "Großes Concert", der zunächst aus 16 Musikern bestand. Ab 1744 diente das Gasthaus "Drey Schwanen" am Brühl als Spielstätte. 1781 zog das Orchester in das Messehaus der Tuchwarenhändler (Gewandhaus) um und erhielt so den Namen "Gewandhausorchester". Das Gewandhaus erlebte Uraufführungen bedeutender klassischer Werke z. B. von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard Wagner, Franz Schubert oder Robert Schumann, die heute zum Standardrepertoire des weltweiten Konzertbetriebs gehören. Einer der bedeutendsten Kapellmeister des Gewandhausorchesters war Felix Mendelssohn Bartholdy, der 1835 berufen wurde. Das alte Gewandhaus wurde trotz zahlreicher Umbauten und Renovierungen für das in die Konzerte strömende Publikum schnell zu klein. Deshalb wurde von 1882 bis 1884 nach Plänen von Martin Gropius ein neues Konzerthaus errichtet. Es erhielt einen großen Saal mit 1700 Plätzen und einen Kammermusiksaal mit 650 Plätzen, der Bau wurde durch einen Kredit aus dem Nachlass des Leipziger Kaufmanns Franz Dominic Grassi finanziert. Am 11. Dezember 1884 wurde das neue Konzerthaus eröffnet, das Bezug nehmend auf das ursprüngliche Gewandhaus häufig als Neues Gewandhaus bezeichnet wurde. Neben Felix Mendelssohn Bartholdy prägten langjährige Kapellmeister wie Arthur Nikisch, Carl Reinecke und Bruno Walter die Geschichte des Gewandhausorchesters und trugen zu seinem weltweiten Ruhm bei. Namhafte Komponisten fühlten sich über die Jahrhunderte vom Gewandhausorchester angezogen und kamen nach Leipzig. Heute gilt es als das älteste dem Bürgertum entwachsene Konzertorchester Deutschlands und zählt zu den renommiertesten Klangkörpern der Welt. Mit seinen derzeit etwa 175 Berufsmusikern ist es das weltweit größte Berufsorchester.

Die mit Leipzig als Musik- und Theaterstadt verbundenen Privatsammlungen und Nachlässe im Bereich "Musik" haben bereits zu zahlreichen Nutzeranfragen geführt, die nun auch optimal beantwortet und bearbeitet werden können, da der komplette Bestand “Musik” mit seinen mehr als 5.000 Einzel-Autographen jetzt inventarisiert und inhaltlich elektronisch erschlossen werden konnte.

Einer der insgesamt herausragendsten Bestände des Stadtgeschichtlichen Museums ist die Sammlung zum Leben und Wirken von Felix Mendelssohn Bartholdy. Aus verschiedenen Auktionsankäufen sowie der Schenkung von Paul David aus Oxford in den 1930er Jahren, dessen Vater und Violinvirtuose Ferdinand David eng mit Mendelssohn Bartholdy befreundet gewesen war, konnte das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig bereits etwa 100 Briefe und andere Handschriften selbständig zusammentragen. Ende 2010 gelang durch den Ankauf der Privatsammlung des ehemaligen Leiters der Musikabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Dr. Rudolf Elvers, ein wissenschaftlicher Coup. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig konnte mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Hiernoymus-Lotter-Gesellschaft e.V, der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen sowie der Mercedes-Benz-Niederlassung Leipzig damit die weltweit bedeutendste Privatsammlung zu Leben und Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy erwerben. Neben etwa 600 Büchern und 450 Notendrucken konnten auch knapp 400 einzigartige Autographe und Zeichnungen erworben und nun wissenschaftlich zugänglich gemacht werden. Vor allem Briefe der Eltern Lea und Abraham Mendelssohn Bartholdy sowie der Schwester Fanny Hensel und Rebecka Lejeune Dirichlet und Felix Mendelssohn Bartholdy selber geben tiefe Einblicke in die Arbeit und das privates Leben dieses begabten Komponisten, Gewandhausdirektors und Konservatorium-Gründers.

Der Nachlass der Musikschriftstellerin Marie Lipsius (Pseudonym: La Mara), die als gute Freundin das Leben und Schaffen von Franz Liszt begleitet hat und die vor allem zu Frauen in der Musik forschte, zählt mit seinen 870 Autographen ebenfalls zu den großen Schätzen des Museums. Die Korrespondenz liefert große Einblicke in die Musikszene im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert, vor allem zum Schaffen von Liszt, Richard Wagner oder Johannes Brahms. Aufgrund ihres überdies zahlreich zusammengetragenen und besonders intensiven Materials zu berühmten Sängerinnen und Pianistinnen ihrer Zeit entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Projekt “MUGI - Musik und Gender im Internet” der Hochschule für Musik und Theater der Universität Hamburg. Dieses Projekt konnte mit bisher unbekannten Informationen beliefert werden. Hierfür von Interesse sind auch die Nachlässe der Schauspielerin und Sängerin Auguste Götze, deren Gesangs- und Opernschule weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt gewesen ist sowie der Pianistin und Salonière Henriette Voigt, die vor allem mit Clara und Robert Schumann rege Korrespondenz führte.

Auch die Wiener Diseuse, Salonière und Ibsen-Darstellerin Albertine Zehme, die mit einem Leipziger Rechtsanwalt verheiratet war, unterhielt Kontakte zu zahlreichen Musikgrößen ihrer Zeit. Etwa 1.000 Briefe, die sie 1923 dem Museum schenkte, zeugen von ihrem Bekannt- und Beliebtheitsgrad. Sie unterhielt regen Kontakt zu Musikern, Komponisten, Literaten, Politikern, Gelehrten, Bildenden Künstlern oder auch Frauenrechtlerinnen. Die finanziellen Mittel ihres Ehemanns ermöglichten es ihr, auch als Gönnerin und Förderin tätig zu sein. Sie unterstützte in diesem Zusammenhang sehr die musikalischen Laufbahnen der Komponisten Georg Göhler und Arnold Schönberg. Reges Interesse nahm sie auch an Leben und Wirken der beiden Schwestern Elisabeth und Isadora Duncan und deren Musik- und Tanzschule.

Besonders ist auch der 590 Handschriften umfassende Nachlass des Organisten und Thomaskantors Wilhelm Rust, der ein großer Bach-Verehrer und -Forscher gewesen ist und dessen Briefkorrespondenz zahlreiche Informationen zur Thomasschule und zum Thomanerchor liefert. Gerade im Hinblick auf das 800-jährige Jubiläum des Bestehens des Thomanerchors im Jahr 2012 ist dieser Bestand von enormer Wichtigkeit. Interessant sind hier vor allem die Briefe von und an Moritz Hauptmann, die weitgehend die Gesamtausgabe der Werke Bachs aber auch Aufritte des Thomanerchors zum Thema haben.

Das Museum besitzt zudem 109 Schriftstücke unter dem Titel “Wagner-Kreis”. Vor dem Hintergrund des 200. Geburtstages von Richard Wagner im Jahr 2013 sind diese Schriftstücke von großem Interesse, da es sich vor allem auch um Handschriften aus dem engsten Familienkreis handelt. So sind zum Beispiel Schriftproben von beiden Ehefrauen sowie den Kindern Eva und Siegfried zahlreich vorhanden.

Im Spezialbestand der ca. 200 Stammbücher besitzt das Museum auch zehn Musikerstammbücher, die von enormer Qualität sind. Hier befinden sich zusammen etwa 500 Einzeleinträge, die auch inhaltlich erschlossen wurden. Hervorzuheben sind an dieser Stelle vor allem die Stammbücher von Henriette Voigt, die im Jahr 1997 zusammen mit einer größeren Anzahl Musiker-Briefe als Dauerleihgabe in das Museum gelangt sind und Ende 2010 dem Museum endgültig als Schenkung überlassen wurden. Zahlreiche Musikgrößen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig Schuncke, Eduard Moritz Ganz, Christian Gottlieb Reissiger, Henri Vieuxtemps, Franz Schubert, Moritz Hauptmann oder Clara Anastasia Novello sind hier vertreten. Ein wegen seiner interessanten Einträge und eingeklebten Briefe besonders wertvolles Stammbuch ist das von Lidy Steche mit Einträgen um 1850. Lidy Steche war zwei Jahre lang Sängerin am Gewandhaus, leitete danach einen Gesangverein und führte einen musikalischen Salon, den namhafte Musiker besuchten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert und Clara Schumann, Ferdinand David, Richard Wagner, Franz Liszt oder Hector Berliosz. Sie alle sind z.B. neben Henriette Sontag, Heinrich Marschner, Carl Riedel, Moritz Hauptmann, Louis Spohr, Niels Gade, Wilhelmine Schröder-Devrient oder Anton Rubinstein hier vertreten. Fast alle Einträge sind auch mit einem Notenbeispiel versehen. Ein ebenfalls sehr schönes Musikerstammbuch ist das des Musikdirektors Leopold Greiff aus den 1880er Jahren bis 1908. Es enthält nicht nur Einträge, zum größten Teil mit Noten, der Berühmtheiten des Musiklebens dieser Zeit, wie Arthur Nikisch, Clara Schumann, La Mara, Max Reger oder Karl Straube sondern unter anderem auch mehrere Zeichnungen des längere Zeit in Leipzig ansässigen Malers Rudolf Daniel Ludwig Cronau.

Aktueller Stand der Erschließung

Von Februar 2010 bis April 2011 wurden mehr als 5.000 Handschriften aus dem Bereich "Musik" inventarisiert. Zur Zeit können mehr als 1.400 Handschriften aus dem Bestand "Musik" über die Homepage des Stadtgeschichtlichen Museums eingesehen werden. Neben der umfangreichen Recherche in der Online-Datenbank hat der Nutzer ebenso die Möglichkeit, alle Dokumente am Bildschirm zu betrachten, darin zu blättern und sich Details zu vergrößern. Die restlichen Schriftstücke werden schnellstmöglich sukzessive gescannt.

Hier finden Sie eine Liste der aktuell recherchierbaren Autographe aus dem Bestand "Musik".

 

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